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zen geschichten III

Ein junger Mann, der eine bittere Enttäuschung in seinem Leben
erlitten hatte, begab sich zu einem entlegenen Kloster und sagte
zum Abt: "Ich bin vom Leben enttäuscht und möchte die
Erleuchtung erlangen, um von diesen Leiden befreit zu sein. Aber
ich habe keine Begabung, etwas lange durchzuhalten. Ich konnte
niemals lange Jahre der Meditation und der Studien und strengen
Lebensführung durchmachen; ich würde wieder in die Welt
zurückgezogen werden, obwohl ich weiss, wie schmerzlich das ist.
Gibt es einen kurzen Weg fiir Leute wie mich?" "Es gibt einen",
sagte der Abt, "wenn du wirklich entschlossen bist. Sage mir, was
hast du studiert, worauf hast du dich in deinem Leben am meisten
konzentriert?" "Hm, auf nichts so richtig. Wir waren reich, und ich
brauchte nicht zu arbeiten. Ich glaube, was mich wirklich
interessierte, war das Schachspiel. Damit verbrachte ich die meiste
Zeit."
Der Abt dachte einen Moment nach und sagte dann zu seinem
Assistenten: "Hole den Mönch soundso, und er soll ein Schachbrett
und Figuren mitbringen." Der Mönch kam mit dem Brett, und der
Abt stellte die Figuren auf. Dann liess er sein Schwert bringen und
zeigte es den beiden. ,,0 Mönch", sagte er, "du hast mir als
deinem Abt Gehorsam gelobt, und nun fordere ich ihn von dir. Du
wirst mit diesem jungen Mann eine Partie Schach spielen, und
wenn du verlierst, werde ich dir mit diesem Schwert den Kopf
abschlagen. Doch ich verspreche, dass du im Paradies
wiedergeboren werden wirst. Wenn du gewinnst, werde ich diesem
Mann den Kopf abschlagen, denn Schach ist das einzige, wobei er
sich jemals wirklich angestrengt hat, und wenn er verliert, verdient
auch er den Verlust seines Kopfes." Sie sahen dem Abt ins Gesicht
und verstanden, dass es ihm ernst war. Dem Verlierer würde er den
Kopf abschlagen.

 

Sie begannen das Spiel. Bei den Eröffnungszügen spürte der junge
Mann, wie ihm der Schweiss bis zu den Fersen hinuntertropfte, als
er um sein Leben spielte. Das Schachbrett wurde zur ganzen Welt;
er war völlig darauf konzentriert. Zuerst war es eher schlecht um
ihn bestellt, doch dann machte der andere einen schlechten Zug,
und er ergriff die Gelegenheit, einen starken Angriff zu lancieren.
Wie die Stellung seines Gegners zerbröckelte,
sah er ihn verstohlen an. Er sah ein Gesicht aus Intelligenz und
Aufrichtigkeit, geprägt von Jahren strengen Lebens und
Bemühens. Er dachte an sein eigenes wertloses Leben, und ihn
überkam eine Welle des Mitgefühls. Absichtlich beging er einen
Fehler und dann noch einen, die seine Stellung ruinierten und ihn
seiner Verteidigung beraubten.
Plötzlich beugte sich der Abt vor und stiess das Brett um. Die
beiden Gegenspieler waren verstört. "Hier gibt es keinen Gewinner
und keinen Verlierer", sagte der Abt langsam, "hier kann kein
Kopf fallen. Nur zwei Dinge sind erforderlich", und er wandte sich
an den jungen Mann, " völlige Konzentration und Mitgefühl. Du
hast heute beides gelernt. Du warst völlig auf das Spiel
konzentriert und konntest doch Mitgefühl empfinden und warst
bereit, dein Leben zu opfern. Bleibe nun einige Monate hier und
verfolge unsere Ausbildung in diesem Geiste, dann ist dir die
Erleuchtung gewiss." Er tat es und erlangte sie.













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